Bei Relaunch-Projekten drehen sich die meisten Listen um HTML-Seiten: URL-Mapping, Redirects, Templates, Canonicals, interne Links. Das ist richtig, aber nicht vollständig.
Viele Websites haben SEO-Wert an Stellen, die im Relaunch-Plan zu spät auftauchen. PDFs sammeln Links. Produktbilder bringen Klicks aus der Bildersuche. Eingebettete Videos hängen an Seiten, die Google als Videoseiten erkannt hat. Wenn diese Assets beim Umzug untergehen, verlieren Sie Reichweite, ohne dass es am Launch-Tag sofort auffällt.
Wer eine Website sauber migrieren will, sollte deshalb nicht nur Seiten, sondern alle indexierbaren Asset-Typen betrachten.
Wo Relaunch-Teams sich oft verschätzen
HTML ist sichtbar, deshalb bekommt es Aufmerksamkeit. Nicht-HTML-Assets laufen eher nebenher. Genau dort entstehen später unnötige Verluste.
Typische Kandidaten sind:
- PDFs wie Whitepaper, Preislisten, Anleitungen oder Datenblätter.
- Bilder, die in der Google-Bildersuche oder auf Produktseiten Reichweite aufbauen.
- Videos, deren Einbettung und Metadaten bei einem CMS-Wechsel leicht kaputtgehen.
Schon wenige starke Dateien können wichtig sein, wenn sie Backlinks tragen oder Suchanfragen mit hoher Kaufnähe abfangen.
PDFs: oft alt, oft ungeliebt, oft trotzdem wertvoll
Gerade in B2B, Industrie, Bildung, Finanz- oder Versicherungsumfeldern ranken PDFs erstaunlich stabil. Manchmal bringen sie wenig Sitzungen, aber genau die richtigen. Manchmal haben sie über Jahre Links aufgebaut, die beim Relaunch niemand auf dem Schirm hat.
Bevor Sie etwas verschieben, sollten Sie klären:
- Welche PDFs aktuell erreichbar sind.
- Welche davon organischen Traffic oder Einstiege erzeugen.
- Welche Backlinks auf diese Dateien zeigen.
- Welche Dateien weder Ranking noch Geschäftswert haben.
Ein Crawler, Search Console, Webanalyse und eine einfache site:ihredomain.de filetype:pdf-Suche bringen hier schnell Ordnung hinein.
Wann sich der Wechsel von PDF zu HTML lohnt
Wenn ein PDF inhaltlich eigentlich eine reguläre Seite sein könnte, ist HTML meist die bessere Zielstruktur. Nicht aus Prinzip, sondern weil Sie damit deutlich mehr steuern können:
- bessere Crawl- und Indexierungssignale;
- sauberere mobile Nutzung;
- bessere Barrierefreiheit;
- interne Verlinkung;
- strukturierte Daten;
- einfachere Pflege im Alltag.
In manchen Fällen ist die beste Lösung zweigleisig: eine HTML-Seite als SEO-Asset und das PDF weiter als Download.
Wenn das PDF bleibt, behandeln Sie es wie jede andere wichtige URL
Beim Relaunch werden PDFs gern in Storage, CDN oder ein separates Subsystem verschoben. Genau dann ändern sich Pfade, Hosts oder ganze Zugriffsmuster. Ohne Planung kostet das Sichtbarkeit.
Vor dem Go-live sollten Sie festlegen:
- wo die Dateien künftig liegen;
- ob Domain oder Subdomain wechseln;
- ob alte PDF-URLs per 301 weitergeleitet werden;
- welche PDFs aus dem Index sollen;
- ob dafür
X-Robots-Tag: noindexnötig ist.
Ein Relaunch ist auch der richtige Moment zum Aufräumen. Veraltete Vertragsstände, interne Unterlagen oder doppelte Dateien müssen nicht mit umziehen.
Bilder: Sichtbarkeit geht hier oft schleichend verloren
Bei Shops, Reiseportalen, Rezeptseiten, Immobilien- oder Design-Websites kann die Bildersuche einen relevanten Anteil am Traffic ausmachen. Das Problem: Wenn Bild-URLs, Dateiformate oder CDN-Pfade wechseln, fällt die Sichtbarkeit oft erst Wochen später auf.
Diese Punkte sollten sitzen
Für Bild-SEO sind drei Themen im Relaunch besonders wichtig:
- Auffindbarkeit: Bild-Sitemap oder Bild-Tags im XML-Sitemap-Feed.
- Kontext: sinnvolle Alt-Texte und eine thematisch passende Zielseite.
- Performance: passende Größen, moderne Formate, Lazy Loading und ein sauber aufgesetztes CDN.
Außerdem lohnt sich ein Blick auf Text, der noch in Grafiken versteckt ist. Wenn Überschriften, Produktvorteile oder wichtige Hinweise nur im Bild selbst stehen, verschenken Sie Relevanz und Zugänglichkeit. Solcher Inhalt gehört als HTML auf die Seite.
Wenn Bildersuche für Sie wichtig ist, kontrollieren Sie die Entwicklung nach dem Launch in der Search Console mit dem Suchtyp "Bild".
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Videos: Entscheidend ist die Einbettung auf der richtigen Seite
Bei Videos greift die übliche Redirect-Logik nur bedingt. Entscheidend ist weniger die Datei selbst als der Zusammenhang, in dem Google sie entdeckt.
Wenn auf der alten Website ein relevantes Video auf einer bestimmten URL eingebettet war, dann sollte die entsprechende neue URL dieses Video ebenfalls enthalten. Sonst verlieren Sie die Signale rund um diese Videoseite.
Was Sie vor dem Umzug prüfen sollten
Mindestens diese Fragen sollten beantwortet sein:
- Auf welchen Seiten sind Videos eingebettet?
- Wo werden die Dateien gehostet?
- Bleiben Player und Einbettungslogik gleich?
- Gibt es eine Video-Sitemap?
- Nutzen die Seiten
VideoObject-Markup? - Woran messen Sie nach dem Relaunch, ob Google die Videoseiten weiterhin erkennt?
Gerade bei Architekturwechseln hilft eine Video-Sitemap, weil Google die neuen Seiten- und Asset-Beziehungen schneller wieder versteht.

Hosting und strukturierte Daten sind keine Nebensache
Viele Teams nutzen den Relaunch, um das Video-Hosting zu wechseln. Das kann sinnvoll sein. Es ändert aber auch die SEO-Auswirkungen.
Wer Videos nur auf Drittplattformen ausspielt, gewinnt eventuell Reichweite auf der Plattform selbst. Gleichzeitig geht oft Kontrolle verloren: Nutzer verlassen schneller die Website, Branding wird schwächer und die eigene Videoseite profitiert weniger.
Wenn Video für Sichtbarkeit oder Conversion wichtig ist, sollten Hosting, Auslieferung, Thumbnail-Handling und strukturiertes VideoObject-Markup bewusst entschieden werden. Nach dem Launch gehört der Search-Console-Bericht zu den Video-Seiten in die Standardkontrolle.

Kurze Checkliste vor dem Go-live
Bevor Sie den Relaunch als "fertig" abhaken, prüfen Sie noch einmal:
- PDF-, Bild- und Video-Inventar ist vollständig.
- Wertvolle Alt-URLs sind neuen Zielen zugeordnet.
- 301-Redirects für wichtige PDFs sind gesetzt.
- Bild- und Video-Sitemaps sind aktuell.
- Alt-Texte zentraler Bilder sind vorhanden.
- Seiten mit Videoeinbettung sind manuell geprüft.
- Vorher-Nachher-Benchmarks für Traffic, Indexierung und Backlinks liegen vor.
Eine gute Migration schützt nicht nur Seiten, sondern das ganze Suchinventar
Ein Website-Relaunch scheitert nicht nur dann, wenn HTML-Seiten fehlen. Er scheitert auch dann, wenn wertvolle Assets still aus dem Sichtfeld rutschen.
Wer PDFs, Bilder und Videos von Anfang an mitdenkt, vermeidet unnötige Verluste und nutzt den Umzug oft sogar für Verbesserungen: PDFs werden zu stärkeren HTML-Seiten, Bilder schneller, Videos sauberer ausgezeichnet.
Genau darum geht es. Nicht nur Seiten umziehen, sondern die komplette organische Substanz der Website.

